Chancengerechtigkeit - Frauen in der Teilzeitfalle?

30. Sep 2011

Frauenfachtagung der DBB Landesfrauenvertretung NRW in Düsseldorf

 „Die zunehmende Erwerbsbeteiligung von Frauen vollzieht sich überwiegend auf der Grundlage einer kontinuierlich wachsenden Anzahl von Minijobs und einer Umverteilung des Erwerbsvolumens unter Frauen“, so die Vorsitzende der DBB Landesfrauenvertretung NRW Andrea Sauer-Schnieber. „Dennoch könne hier noch keine eigene Existenzsicherung stattfinden, weil die Beschäftigungsverhältnisse auf Grund von Unterbrechungen und Teilzeitbeschäftigungsverhältnissen dies nicht bieten. Im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern divergiert der Stundenlohn zwischen Männern und Frauen in Deutschland mit etwa 23 % (im öffentlichen Dienst 8 %). Kaum ein anderes Land in Europa habe derartige Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern,“  so die Vorsitzende. Frauen haben in Deutschland mehr als ein doppeltes Risiko im Vergleich zu Männern, niedrig entlohnt zu werden. Dies hat auch wiederum nachteilige Auswirkungen auf die Altersversorgung. Frauen rutschen hier in die Altersarmut. Ebenso enttäuschend fällt die Bestandsaufnahme zum Thema „ Frauen in Führungspositionen“ aus. Hiervon sind sowohl Leitungsebenen betroffen als auch die Zusammensetzung von Aufsichtsräten und Vorstandspositionen. Für den öffentlichen Dienst bedeutet dies, dass hier nur jede vierte Führungsposition von einer Frau wahrgenommen wird.

Fachtagung am 06.10.2011 in Düsseldorf
Darum wendet sich die DBB Frauenvertretung NRW auf ihrer fünften Frauenpolitischen Fachtagung am 06.10.2011 in Düsseldorf mit Motto „Chancengerechtigkeit - Frauen in der Teilzeitfalle?“ einem Thema zu, welches die aktuelle Situation berufstätiger Frauen in Nordrhein-Westfalen aufgreift und hier die Chancengerechtigkeit zur Diskussion stellt.
Die Teilzeitarbeit, dies sich zwischenzeitlich stark ausdifferenziert hat, ist mittlerweile als weibliche Domäne zu bewerten. Im Vergleich zu Frauen nutzen Männer eher selten die sozialversicherungspflichtige Teilzeit. Daher unterscheiden sich auch die Erwerbsbiografien von Frauen immer noch sehr stark von denen der Männer, obgleich es zu einer Annäherung gekommen ist. Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitphasen hinterlassen Spuren in der Erwerbsbiografie. Damit verbunden sind verminderte Einkommens- und Karrierechancen. Hier ist auch der Arbeitgeber bzw. der Dienstherr gefragt. Da diese meist in Verbindung mit Fürsorgeaufgaben stehende „Ausstiege“ von Frauen entsprechend traditioneller Rollenmodelle erwarten, investieren sie weniger in die Weiterbildung und die Entwicklung weiblicher Beschäftigter. Hierdurch werden aber auch diejenigen Frauen benachteiligt, die nie Kinder bekommen oder mit Kindern ihre Erwerbstätigkeit nicht unterbrechen.
Hinzukommt, dass bei Beurteilungen Teilzeitbeschäftigte im Vergleich zu vollzeitbeschäftigten Personen tendenziell schlechter abschneiden. Daher sind Frauen in Führungspositionen sind nach wie vor unterrepräsentiert. Hiervon sind sowohl Leitungsebenen betroffen als auch die Zusammensetzung von Aufsichtsräten und Vorstandspositionen. Für den öffentlichen Dienst bedeutet dies, dass hier nur jede vierte Führungsposition von einer Frau wahrgenommen wird. Hier bedarf es eines Umdenkungs- und Umstruktiurierungsprozesses um insgesamt eine Gleichstellung zwischen Frauen und Männern.

Podiumsdisskussion
Am 06.10.2011 diskutieren daher im Rahmen der Podiumsdiskussion die NRW-Ministerin Barbara Steffens, die Vorsitzende der DBB NRW Frauenvertretung, Andrea Sauer-Schnieber, der Ministerialdirigent im NRW-Finanzministerium, Werner Brommund, der Journalist und Buchautor Thomas Gesterkamp und Doris Hess vom Institut für angewandte Sozialwissenschaft, zum Thema der Chancengerechtigkeit von teilzeitbeschäftigten Frauen. Bereits am Vormittag wird die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, Frau Prof. Dr. Jutta Allmendinger, mit ihrem Vortrag „Chefsessel oder Vorzimmer? Barrieren für Frauen auf dem Arbeitsmarkt“ zum Thema „Chancengerechtigkeit - Frauen in der Teilzeitfalle?“ referieren.

Interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer melden sich bitte über die DBB NRW Fachgewerkschaften zur Tagung an.


Drucken