Fünfte Frauenpolitische Fachtagung des DBB NRW - Chancengerechtigkeit- Frauen in der Teilzeitfalle?

10. Okt 2011

Mit mehr als 210 Teilnehmerinnen war auch die Fachtagung der DBB Landesfrauenvertretung NRW am 06.10.2011 in Düsseldorf wie in den Jahren zuvor ein großer Erfolg.

„Teilzeitarbeit gilt als goldener Standard für Frauen mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen, weil sich Familie und Beruf - zumindest theoretisch- so besser miteinander vereinbaren lassen.“, stellte Andrea Sauer-Schnieber, Vorsitzende der DBB Landesfrauenvertretung NRW, in ihrem Grußwort klar. Zwar habe sich die Situation der Frauen, die ihre beruflichen Chancen nutzen wollen oder die Beruf und Familie miteinander vereinbaren wollen, tatsächlich verbessert. „Dennoch sei dies nicht in dem Maße möglich, wenn Chancengerechtigkeit in der Gesellschaft wirklich gewollt wäre. Es ist gerade von zentraler Bedeutung, dass Teilzeittätigkeit nicht mehr hauptsächlich von Frauen ausgeübt wird und für sie zu einem dauerhaften Beschäftigungsverhältnis wird.“

Helene Wildfeuer, Vorsitzende der Bundesfrauenvertretung, verdeutlichte in ihrem Grußwort, dass individuelle Arbeitszeitmodelle gefragt seien. „Seit 1999 nimmt die Anzahl derjenigen, die weniger als 40 Stunden pro Woche arbeiten, zu – und das in allen Branchen“. Wildfeuer warnte, „Teilzeitbeschäftigte gehören zu einer Risikogruppe: Sie sind besonders von Altersarmut bedroht. Wenn seitens der Betroffenen nicht privat vorgesorgt werde oder diese nicht durch einen besser verdienenden Lebenspartner abgesichert seien, reichten die angesammelten Rentenanwartschaften bzw. ruhegehaltsfähigen Dienstzeiten oft nicht einmal für eine Grundsicherung im Alter aus“.

Prof. Dr. Jutta Allmendinger veranschaulichte in ihrem Vortrag, dass trotz höherer Bildungsabschlüsse und sehr guter Qualifikationen Frauen gerade nicht in dem Maße in Führungspositionen vertreten seien wie Männer. Frauen arbeiteten im Vergleich prozentual mehr in Teilzeit. Dies habe zur Folge, dass eine Abhängigkeit bestehen bleibe. Insoweit sei es auch nicht verwunderlich, dass der abgeleitete Renten- bzw. Versorgungsanspruch der Witwe deutlich höher sei, als die eigene Rente bzw. Versorgung.

Steffi Neu (WDR) diskutierte auf dem Podium mit der NRW-Ministerin Barbara Steffens, dem Ministerialdirigenten im NRW-Finanzministerium, Werner Brommund, dem Journalisten Thomas Gesterkamp, Doris Hess vom ifas-Institut, und Andrea Sauer-Schnieber. Aus Sicht der Diskussionsteilnehmer muss sich auf Grund des gesellschaftlichen Wandels etwas ändern. Es arbeiten immer noch mehr Frauen als Männer, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren, in Teilzeit. Kinderbetreuungsmöglichkeiten sind immer noch nicht in ausreichender Anzahl vorhanden. Hier müsste gegengesteuert werden. Zudem herrsche immer noch der Anwesenheitsmythos. Wer lange und permanent im Büro erreichbar ist, mit dem wird hohe Leistungsfähigkeit assoziiert. Das hat gravierende Auswirkungen in finanzieller Hinsicht. Frauen müssen ermutigt werden wieder in den Beruf zurück zukehren.

Dateien:
111024_art_nrwmag_5-Frauenft.pdf

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