Beurteilt – Verurteilt? Weibliche Karrieren in der digitalen Welt

Fachtagung der Landesfrauenvertretung des Deutschen Beamtenbundes Nordrhein-Westfalen (DBB NRW).

20. Februar 2018

Ministerin Ina Scharrenbach (MHKBG) mit Elke Stirken und Roland Staude (von rechts)

Die zunehmende Digitalisierung hat Einfluss auf nahezu alle Lebensbereiche, auch die Arbeitswelt bildet da keine Ausnahme. Immer mehr Prozesse werden inzwischen digitalisiert, auch im Öffentlichen Dienst. Dadurch werden nicht nur Behördengänge häufig einfacher, auch die Arbeitsplatzgestaltung kann dadurch flexibler werden.

Die Auswirkungen, die dieses Thema auf die Karrierechancen von Beschäftigten, insbesondere von Frauen hat, wurden im Rahmen der Fachtagung der Landesfrauenvertretung des DBB NRW mit zahlreichen Experten diskutiert, darunter Ministerin Ina Scharrenbach (Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW), Prof. Dr. Lars Oliver Michaelis (Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung NRW), Werner Brommund (Oberfinanzpräsident NRW), Anca Ott (Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie NRW) sowie Elke Stirken (Vorsitzende der Landesfrauenvertretung des DBB NRW) und Helene Wildfeuer (Vorsitzende der bundesfrauenvertretung des dbb).

Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung, betonte dabei, dass es „das Ziel der Landesregierung ist, faire Aufstiegschancen für Beamtinnen und Beamte sicherzustellen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht dabei ganz oben. Hierbei spielt die Digitalisierung eine immer größere Rolle. So kann beispielsweise die gezielte und ausgewogene Weiterentwicklung von Telearbeit ein wichtiger Schritt sein, um Familien zu unterstützen. Wir brauchen einen modernen öffentlichen Dienst, um weiterhin im Wettbewerb um die besten Köpfe Schritt halten zu können.“

Diese Ankündigung begrüßte der DBB NRW, nutzte aber auch die Gelegenheit, um auf die Gefahren dieser Arbeitsplatzgestaltung im Zusammenhang mit Aufstiegschancen hinzuweisen. Denn wie der Titel der Veranstaltung erahnen lässt, bietet die fortschreitende Digitalisierung zwar zahlreiche Vorteile, gerade im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, gleichzeitig birgt sie jedoch auch einige Risiken. So stellt beispielsweise die Beurteilung von Beschäftigten, die im „Home-Office“ arbeiten, Vorgesetzte häufig vor große Herausforderungen: Wie soll jemand beurteilt werden, der körperlich nicht, oder nur selten anwesend ist? Während eine Beurteilung der reinen Leistungskriterien noch relativ leicht machbar sein mag, wird es jedoch spätestens bei den so genannten Befähigungskriterien, also Arbeitsmotivation, Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit etc., schwierig.

Die Studie zur „Geschlechtergerechtigkeit im Öffentlichen Dienst in NRW“ des DBB NRW in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung hat gezeigt, dass Beschäftigte, die in Teilzeit arbeiten, nachweislich schlechter beurteilt werden. Wenn bedingt durch die Telearbeit die Anwesenheitszeiten noch stärker reduziert werden, ist davon auszugehen, dass die Beurteilungen mindestens in gleichem Umfang schlechter ausfallen, als die der Kolleginnen und Kollegen mit voller Anwesenheit. „Meistens sind es Frauen, die im Zuge der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ihre Arbeitszeit reduzieren, oder ihre Beschäftigung im „Home-Office“ ausüben“,  erklärt Elke Stirken, Vorsitzende der Landesfrauenvertretung des DBB NRW. „Entsprechend sind sie es auch, die deutlich seltener von Spitzennoten bei der Beurteilung partizipieren und entsprechend seltener befördert werden.“

Die Chancengleichheit von Frauen und Männern im Öffentlichen Dienst war gerade in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen zwei Jahren im Zusammenhang mit der Dienstrechtsreform ein stark diskutiertes Thema. Zuletzt war im September 2017 die umstrittene Regel gekippt und eine Überarbeitung der Beurteilungsrichtlinien angekündigt worden. „Das Thema Geschlechtergerechtigkeit hat auch in den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD Einzug gefunden“, so Roland Staude, 1. Vorsitzender des DBB NRW. „Nordrhein-Westfalen hätte in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, Vorreiter bei diesem Thema zu werden und sich als modernes Bundesland und als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.“


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