Noch viel Arbeit mit der Telearbeit

Studierende der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung NRW stellen Ergebnisse ihrer Projektarbeit beim DBB NRW vor

11. Juli 2018

Bild: DBB NRW - Die Studierenden bei der Übergabe der Projektarbeit. v.l.: Prof. Dr. Lars Oliver Michaelis, Christian Probst, Jens Bogdahn, Madeline Günther, Elke Stirken, Sarah Reuter, Nathalie Makrlik, Vera Schumacher, Helena Gerdt.

Telearbeit kann ein wichtiges Kriterium für die Attraktivität des Öffentlichen Dienstes sein – darin waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Präsentation der Projektarbeit zum Thema „Telearbeit“ einig. Die Qualität der Umsetzung ist in den einzelnen Behörden jedoch sehr unterschiedlich, vielfach liegt noch viel Arbeit vor den Dienstherren, um gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in Telearbeit zu schaffen.

„Chancen und Risiken der alternierenden Telearbeit im öffentlichen Dienst“ – mit diesem Thema haben sich sieben Studierende in den vergangenen neun Wochen im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes Nordrhein-Westfalen intensiv auseinander gesetzt. Dabei standen rechtliche Aspekte, wie Datenschutz und Haftung sowie Arbeitsschutz und Mitbestimmungsrechte genauso auf der Agenda wie der Bereich der Mitarbeiterführung und der Beurteilungen. Führung auf Distanz funktioniere anders als wenn Beschäftigte jeden Tag im Büro anwesend sind, machten die Studierenden in ihrem Vortrag deutlich. Jedoch hätten das noch nicht alle Führungskräfte auch tatsächlich verinnerlicht. Das sei einer der Gründe, warum Beurteilungen bei Beschäftigen in Telearbeit, ähnlich wie auch bei Teilzeit häufig schlechter ausfallen als bei den Kolleginnen und Kollegen mit voller Präsenzzeit.

„Es ist deutlich erkennbar, dass sich das Führungsverständnis in Zukunft verändern muss, damit es den neuen Möglichkeiten der Arbeit gerecht werden kann“, erklärte Roland Staude, 1. Vorsitzender des DBB NRW, in Anschluss an den Vortrag. „Die Führungskraft muss zu einer Art Coach werden, der in Zusammenarbeit mit dem Mitarbeitenden Ziele vereinbart, an denen dann die Qualität der Arbeit gemessen werden kann.“

Wichtig sei das insbesondere auch unter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit, ergänzte Elke Stirken, Vorsitzende der Frauenvertretung des DBB NRW. „Denn ähnlich wie bei Teilzeit, sind es auch bei der Telearbeit zum größten Teil Frauen, die sich für diese Modell entscheiden.“

Um die aktuelle Situation in den nordrhein-westfälischen Behörden abzubilden, haben die Studierenden Interviews mit Führungskräften geführt und eine Umfrage unter den Beschäftigten in Telearbeit durchgeführt. Daraus erhielten sie ausschnittsweise eines Sachstandsbericht und konnten einen Kriterienkatalog mit Chancen und Risiken erarbeiten. Insbesondere beim Umsetzungsstand wurde deutlich, dass die Qualität der Arbeitsbedingungen noch sehr unterschiedlich ist. Während bei einigen Behörden die Arbeitsplatzausstattung standardisiert und optimiert stattfindet, wird in anderen Bereichen noch teilweise mit „Behelfslösungen“ gearbeitet. Hier könnten Dienstvereinbarungen helfen, Themen wie Ausstattung und in dem Zuge auch Arbeitssicherheit und Datenschutz zu verbessern.

Bei der Auswertung der Chancen und Risiken wurde deutlich, dass viele der Risiken in ähnlicher Weise auch bei der „Präsenzarbeit“ vorhanden sind oder sich durch entsprechende Regelungen und Änderungen der Organisationsabläufe zumindest minimieren lassen. Entsprechend positiv fiel das Fazit der Studierenden aus: Telearbeit sei eine Chance, den Öffentlichen Dienst für qualifizierte und ambitionierte Fachkräfte attraktiver zu machen. 

Betreut wurde die Projektarbeit von Seiten der Fachhochschule für Öffentlichen Verwaltung NRW, Abteilung Duisburg, durch Prof. Dr. Lars-Oliver Michaelis, Professor für Europarecht, Beamtenrecht, Staatsrecht und Öffentliches Dienstrecht, sowie auf Seiten des DBB NRW durch die Vorsitzende der DBB NRW Frauenvertretung, Elke Stirken.


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