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Ein Beamter, der sich ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, berichtet

Das Wasser stand teilweise hüfthoch in den Straßen

27. Juli 2021

Viele Kolleginnen und Kollegen in der nordrhein-westfälischen Kommunal- und Landesverwaltung helfen auch ehrenamtlich bei der Bewältigung der Folgen der Unwetterkatastrophe. Zum Beispiel der Diplom-Finanzwirt Christian Klaka (43), Mitarbeiter in der Staatskanzlei und Sachbearbeiter im Büro des Antisemitismusbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen: Er engagiert sich für die Freiwillige Feuerwehr.

DBB NRW Internetredaktion: Herr Klaka, seit wann sind Sie in der Freiwilligen Feuerwehr? Und was hat Sie dazu bewogen, sich dort zu engagieren?

Christian Klaka: Ganz so freiwillig war mein Eintritt im November 1998 bei der Freiwilligen Feuerwehr Bochum nicht, denn damals gab es noch die Wehrpflicht. Ich habe mich aber bewusst für einen Ersatzdienst auf kommunaler Ebene entschieden, weil ich im Falle eines Falles meiner Familie, meinen Freunden und Bekannten helfen wollte. Das war mir wirklich wichtig.

DBB NRW Internetredaktion: Die Flutkatastrophe hat viele Gemeinden und Städte Nordrhein-Westfalens unvorbereitet getroffen. Wie haben Sie davon erfahren? Und wo wurden Sie im Rahmen Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit eingesetzt?

Christian Klaka: Zunächst habe ich die Warnmeldungen des Deutschen Wetterdienstes zu Wochenbeginn gesehen und die Entwicklungen in der WarnWetter-App beobachtet. Am Mittwochmorgen (14.07.) hat es eine Besprechung bei der Feuerwehr Bochum gegeben, wie mit der erwarteten Lage im Stadtgebiet umgegangen werden soll. D. h. erste präventive Maßnahmen wurden ergriffen und Strukturen für den weiteren Verlauf festgelegt. Die aufgrund der extremen Regenfälle erforderlichen Einsätze wurden bis in den frühen Donnerstagmorgen (15.07.) hinein abgearbeitet.

Am Freitagmorgen (16.07.) kam dann die Anfrage der Bezirksregierung Arnsberg anlässlich eines Einsatzes der Feuerwehr-Bereitschaft 2 (Bochum & Herne) im Rahmen der geplanten überörtlichen Hilfe. Da standen weder der Zeitpunkt der Alarmierung, noch Einsatzort und -dauer fest. Klar war nur, dass ich die Führung eines der fünf Züge der Bereitschaft übernehmen sollte.

Kurz nachdem im Kreis Heinsberg ein Damm der Rur gebrochen und große Teile von Wassenberg-Ophoven überschwemmt waren, wurde unsere Bereitschaft gegen 23:00 Uhr alarmiert.

DBB NRW Internetredaktion: Was haben Sie vor Ort erlebt? Und wie konnten Sie den betroffenen Menschen helfen?

Christian Klaka: Bei unserem Eintreffen hatte man noch über eine kontinuierliche Überflutung von anhaltend etwa 6 Meter pro Stunde berichtet. Glücklicherweise setzte sich diese Entwicklung dann doch nicht fort, sodass wir uns nach einiger Zeit der Sondierung den Hilferufen der betroffenen Menschen widmen konnten.

Mein Zug konnte große Wassermengen am geräumten Seniorenheim und in der Dorfgaststätte abpumpen und durch die parallel vorgenommene Erweiterung von Sandsackbarrieren einen verbesserten Schutz herstellen.

Die anderen Züge hatten die zentrale Trafostation des Ortes und einen Gastank gesichert, eine Mauer abgestützt und aus weiteren Gebäuden Wasser abgepumpt.

DBB NRW Internetredaktion: Welche Eindrücke nehmen Sie von Ihrem Einsatz mit? Wie verarbeiten Sie persönlich die Geschehnisse?

Christian Klaka: Das Wasser stand teilweise hüfthoch in den Straßen. Im Laufe des Tages kamen immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner zurück, um zu sehen, wie es um ihr Haus und ihre Habseligkeiten steht oder um die Haustiere aus den Häusern zu holen. Wenn Sie dann von den Menschen hören, dass sie wegen der direkten Lage an der Rur überhaupt keine Elementarschadenversicherung abschließen konnten – und sie sich nun fragen, wann sie wieder zurückkehren können, wie es in den Häusern aussieht, wann die Versorgung mit Strom und Frischwasser sowie die Entwässerung wieder funktionieren werden, dann erschüttert das einen schon sehr.

Ich muss aber auch sagen, dass einige Betroffene – selbst in dieser für sie schlimmen Lage – ihren Humor nicht verloren haben und ihre Dankbarkeit für die Hilfe deutlich zum Ausdruck gebracht haben. Wir bekamen zum Beispiel einen Kuchen hingestellt. Und ein Metzger hat für die rund 140 Einsatzkräfte Frikadellen vorbeigebracht.

DBB NRW Internetredaktion: Gab es auch Personenschäden zu beklagen? Wie geht man damit um?

Christian Klaka: Mir sind zum Glück keine Personenschäden bekannt, weder bei den Bewohnerinnen und Bewohnern, noch bei uns Einsatzkräften. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Bochum haben wir in jeder Einheit mindestens eine Person, die – so wie ich – im Bedarfsfall psychosoziale Unterstützung geben kann. Betreuungsbedarf hat es meines Wissens hier aber ebenfalls nicht gegeben. Das hätte anders ausgehen können, wenn die Lage so gewesen wäre, wie sie uns noch beim Eintreffen am Samstag in der Frühe beschrieben worden war.

DBB NRW Internetredaktion: Wie lief es mit der Freistellung vom Dienst in der Staatskanzlei?

Christian Klaka: Ich muss sagen, dass es bisher noch niemals zu Problemen gekommen ist, egal in welcher Dienststelle ich tätig war, das betrifft Einsätze genauso wie Lehrgänge oder Fortbildungen. Da gilt mein Dank auch immer den Kolleginnen und Kollegen, die mich ja in der Zwischenzeit vertreten müssen.

DBB NRW Internetredaktion: Herr Klaka, wir danken Ihnen für das Gespräch und Ihr großartiges ehrenamtliches Engagement.

 

 

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