KontaktPartnerImpressumDatenschutz

Tropischer Sommer erfasst NRW

„Hitzefrei“ - der infrastrukturelle Offenbarungseid eines Industrielandes

25. Juni 2026

Angesichts der Hitzewelle, die derzeit über Europa rollt, zeigte sich der amerikanische Nachrichtensender CNN in einem Beitrag amüsiert über die vermeintliche Rückständigkeit „des Kontinents“ bezüglich der Ausstattung mit Klimaanlagen. Das bemerken auf den Sozialen Medien inzwischen auch viele europäische Fußballfans, die zur WM nach Nordamerika gereist sind, sich bei der auch dort sommerlichen Hitze in nahezu durchweg klimatisierten öffentlichen Bereichen bewegen, zu denen teilweise auch die Stadien gehören.

„Hitzefrei“ ist in Deutschland dagegen der landläufige Lösungsansatz in vielen gesellschaftlichen Bereichen, wobei die volkswirtschaftlichen Auswirkungen liegen gebliebener Arbeit oder nicht erteiltem Unterricht zunächst unbestritten den klimatischen Veränderungen zugeschrieben werden. Allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille. Angesichts der nunmehr seit Jahrzehnten prognostizierten Erderwärmung ist es mindestens verwunderlich, dass gerade im hochentwickelten Industrieland Deutschland in all diesen Jahrzehnten auffallend wenig für den technischen Umgang mit dieser Herausforderung und den Schutz der Menschen getan wurde. Selbst Schwellenländer des „globalen Südens“ sind hier mancherorts schon weiter.

Der flächendeckende Ausstattungsgrad mit echten, aktiv kühlenden Klimaanlagen an Schulen aber auch anderen öffentlichen Gebäuden oder Altenheimen ist in Deutschland verschwindend gering und tendiert gegen Null. Klassenzimmer, Aufenthalts- und Arbeitsräume werden bei sommerlichen Hitzewellen regelmäßig zu „Backöfen“, da der Großteil der Schulgebäude, wie andere öffentliche Gebäude auch, baulich kaum gegen extreme Temperaturen geschützt ist. Ähnlich ist es bei öffentlichen Verkehrsmitteln: Die derzeit halt sommerliche „Klimatisierung“ erfolgt hier, vorgeblich aus Gründen der Nachhaltigkeit, durch offene Fenster oder die fahrplanmäßige Türöffnung. Leidensdruck, Stress und Aggressivität sorgen bei Berufspendlern nicht selten zum Umstieg auf das klimatisierte Auto. Da steht man dann auch lieber im Stau, als in brütender Hitze auf einem Bahnsteig auf ein unzuverlässiges, überhitztes, überfülltes, verkürztes Verkehrsmittel zu warten.

Bei modernen Neubauten oder energetischen Sanierungen werden zwar zunehmend raumlufttechnische Anlagen (RLT) eingebaut. Diese dienen jedoch primär dem Frischluftaustausch (CO₂-Reduzierung) und einer passiven nächtlichen Abkühlung, bieten aber keine aktive Klimatisierung oder Raumkühlung. 

Lehrer- und Elternverbände kritisieren das Instrument „hitzefrei“ zunehmend als Kapitulation vor einer mangelhaften Infrastruktur und fordern einen verbindlichen, baulichen Hitzeschutz. So kritisierte der Lehrerverband in der Rheinischen Post (23.06.26) die auch bei der Ausstattung mit Klimatisierungstechnik mangelhafte Gebäudeinfrastruktur von Schulen, das „Hitzefrei als Kapitulationserklärung“.

Volkswirtschaftlich bemerkenswert ist dabei der Umgang der Politik mit diesem Thema, man hätte angeblich kein Geld für Investitionen. Dafür sitzt das Geld in anderen Bereichen dafür umso lockerer:  An sonnigen Sommertagen übersteigt die Solarstromerzeugung mittags oft massiv den lokalen und nationalen Verbrauch, was zu einer Netzüberlastung und regelmäßig zu negativen Strompreisen an der Strombörse führt. Angesichts garantierter Einspeisevergütungen werden diese „Entsorgungskosten“ dann von Gesetz wegen ausgeglichen und erhöhen so die Stromkosten für die Haushalte. Um den Überschuss sinnvoll zu nutzen, anstatt die Anlagen abzuregeln, gibt es mehrere technische und verbrauchsorientierte Ansätze, die auch nach der Devise „aus der Region - für die Region“ funktionieren: So könnte die tageszeitabhängige Überproduktion von solarer Energie an Hitzetagen sogleich durch die temporäre Verbrauchslasterhöhung durch Klimaanlagen ausgeglichen werden, ohne die Netze zu überlasten. Dafür brauchts auch keinen kostspieligen Energiespeicher, eine gute Anlagensoftware passt die Einstellungen an die Außenbedingungen automatisch an. Das sollte auch im hochentwickelten Industrieland Deutschland technisch zu meistern sein, in ostasiatischen Schwellenländern ist so etwas das Programmierniveau von Oberschülern.

MM

Link zum CNN-Artikel (extern): 

European summers are getting brutally hot. So why is air conditioning so rare?

und bedarfsweise die Übersetzungstaste des Browsers benutzen.

Link zum Artikel in der Rheinischen Post (extern):

Lehrerverband warnt – Schulen sind nicht gegen Hitze gerüstet

Rundum informiert

Fortbildungen

Wissen, was geht:

Fortbildungsveranstaltungen der
DBB Akademie